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Auktion
 
Der Raum, den ich durch ein Scheunentor betrat, war mit verschiedensten Gegenständen angefüllt: da waren alte Kleider in durchsichtigen Tüten, denen die Fotos ihrer ehemaligen Träger wie Zollplomben anhingen, standen Möbel blankpoliert, blicklos und schief in den Ecken, Essen lag herum, wie man es vielleicht vor einigen Jahren grad verlassen und den Fliegen übergeben hatte. Doch nun waren selbst sie gesättigt, wie angeklebt auf den Resten verschieden. Nippes füllte die Zwischenräume, Plüschtiere und Kinderspielzeug lagen auf dem Boden neben Teppichrollen, eingestaubte Technik behauptete sich durch Spulen und Bildschirme. Selbst die einst geträumten Träume schienen abgepackt irgendwo in hohlen Kammern oder den ausgelegten Schubladen altertümlicher Kommoden zu schlummern und Laute von sich zu geben, die ein empfänglicher Mensch hätte hören sollen.
    Ich durchschritt die Windungen des großen Saales mit jener Ehrfurcht, wie sie einer Kirche angemessen wäre, hier aber fehl am Platze schien, so daß ich mir innerlich falsch vorkam. Das hier eingelagerte vergangene wie vergessene Leben drang durch Haut und Sinne in mich, ohne daß ich die Art und Weise dieses Eindringens hätte beschreiben können; all dies Verstorbene, die Hülsen, Relikte, das was verblieben war von Menschen, die sich einst als Unverwechselbares gedacht hatten, war hier eingeliefert, mit amtlichen Pfändungssiegeln beklebt, die Schulden anzuzeigen, die sie hinterlassen hatten, jene dem ungelebten Leben gegenüber, jene den andern gegenüber, die dies nicht wahrgenommen hatten – Saldo einer unbestimmbaren Schuld. Dies weste hier und schrie ohne Laut nach Erlösung von sich.
    Dann, im nächsten Saal die Menschen, Tote auf dem Friedhof gleich, die nicht in Frieden ruhen, sondern sich, bloße Hüllen, nächtens auf Wanderschaft begeben, nach ihm zu suchen, den es doch nirgends wohlfeil gibt – und wie ist jedes Anderswo uns doch verschlossen mit Siegeln, die wir weder verstehen noch öffnen können. Dort lehnten sie, sahen sich blicklos um, als erwarteten sie Erlösung. Dort aufgereiht von grober Hand, die sie die Wänden entlang drapiert hatte, einen nach dem anderen, in immer beinah der gleichen Stellung, männlich oder weiblich, Brüste oder Brustkorb, eingefallen oder hängend, vergangene Vergänglichkeit, mit Bauch oder schlank, in jener Form, wie das Leben sie beiläufig zurückgelassen hatte. In einem Moment der Unachtsamkeit waren sie vielleicht gestorben, um nichts zu hinterlassen als die Spur eines Selbstes, das sich überlebt hatte, ehe es denn geboren wurde.
    Dann rief die Stimme des Auktionators, und es lief um die Ecken der Säle, schrammte sich an den scharfen Kanten des Putzes, rutschte über die Fliesen, um nur ja den ersten Ton aus seinem Munde zu hören. Da war er, der Preis, der Lohn des Lebens, was von den schmalen Lippen wie ein Hohn klang, den es zu kaufen galt, um ihn zu überbieten, wie dreißig Silberlinge je, und das schien auch der einzige Preis zu sein, um den es etwas gab, egal, wie hoch man bot, es blieb dabei, es schien Gewohnheit, der Verrat, so sanft und seicht, darin zu ersticken – dem Leben gleich, das zu ersteigern erhofft wurde, das was vergessen war, das was man erinnerte, um Schmerzen zu empfangen, die stets zu teuer bezahlt wären.
    Fleisch mit seiner einzigartigen Färbung, Haut, zu berühren, wie sie lebendig unter den Fingern pulsierte, einsame Trauer wie abgepackt in Gefühlen, hier das Sonderangebot, die letzte Gelegenheit, die Schatzkammer alles Seins, billig und wohlfeil – wie besichtigt – hier an den Wänden.
    Und ich bot mit, bis meine Stimme heiser war vom Schreien, bis mein Arm vom Heben erlahmte. Dann warf ich die Scheine in den Saal, und es stürzte sich wie hungrige Geister auf sie, zerbiß Münzen, griff mit Krallen, sich gegenseitig zu zerfetzen. Es träumte mir, der Wind bliese die Reste mit sich fort wie das Konfetti einer irrwitzigen Parade. Die Dämmerung draußen trug das Geräusch von Krähen, die nach Süden zogen, sich aber nicht entscheiden konnten, und wiederkehrten, um hier im Winter zu erkalten.
 
 
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