Index: A
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Alinea – Hervorhebungszeichen, das innerhalb des Textflusses einen neuen Gedankengang ankündigt, heute entspricht dem ein Absatz. In den Manuskripten meist ein rot oder blau eingezeichnetes ¶, das noch von → Cobden-Sanderson gern verwandt wurde, → Morris bevorzugte seine kleinen Blätter.
Annotationen
– handschriftliche Marginalien, i.e. Randanmerkungen, oder
Interlinearkommentare eines – hoffentlich
gebildeten, klugen,
intelligenten, verständigen – Lesers. Im
Gegensatz
zur landläufigen These, daß Annotationen, so es
geht, ausradiert gehören, sind o.g. Anmerkungen bisweilen
wichtig: für die Geschichte der Textrezeption, weil ein
Prominenter sie verfaßte etc.
anonym – hier wollte sich der Verfasser aus religiösen, politischen oder anderen Gründen nicht nennen. Tiefschürfende Bibliographen haben manchem → Anonymus die Tarnkappe abgerissen; ein Nachschlagewerk dazu ist z.B. Holzmann/Bohatta. Ähnlich: Pseudonym.
Antiqua – Drucktype, deren Majuskeln (Großbuchſtaben) ſich von den römiſchen Inſchriften, deren Minuskeln ſich von der Karolingiſchen Schreibſchrift ableiten.
Zu
unterſcheiden von den gebrochenen Schriften, angefangen bei der von
Gutenberg benutzen Type der → B42
bis zur 
Meine Seite erſcheint, ſo Sie in Ihrem Navigator keine anderen Einſtellungen vorgenommen haben, je nach den auf Ihrem Computer vorhandenen Schriften in der „Georgia“, einer ſpeziell für den Bildſchirm entwickelten Type, oder in der „Times“, einer 1932 von Stanley Moriſon für die Zeitung „The Times“ entwickelten Antiqua; dies empfinde ich den angebotenen antiquariſchen Büchern entſprechender als eine moderne ſerifenlose Schrift wie z.B. die Arial oder Verdana.
Auflage – in einem Durchgang beim Drucker gedruckte Menge von Büchern eines Titels, die jedoch nicht unbedingt auf einen Schlag beim Buchbinder zum fertigen Buch weiterverarbeitet werden muß; aus Kostengründen kann dies in Teilmengen geschehen, was bisweilen zu Einbandvarianten führt.
Auch kann die bereits gedruckte Auflage nachträglich verändert werden durch Fehlerkorrektur mittels ersetzter Blätter. Sind es mehrere, ist bibliographisch eigentlich nur der unkorrigierte Anfangszustand vom völlig durchgesehenen Endzustand innerhalb einer Auflage unterscheidbar, und einzelne Exemplare sind innerhalb dieses Spektrums einzuordnen.
Wechselt das Buch den Verleger, so wird vom neuen der Buchblock entweder unverändert übernommen, das Titelblatt an entsprechender Stelle mit den neuen Angaben überklebt, das Titelblatt ausgewechselt oder auch nur der Schutzumschlag erneuert.
Die Auflagenhöhe mag vom Verleger auf relativ wenige Exemplare begrenzt werden, dann spricht man von limitierter Auflage; noch besser ist es, wenn diese wenigen Exemplare vom Verfasser oder Künstler signiert und numeriert werden. Siehe auch Editio princeps und Erste Ausgabe.
Im angelsächsischen Raum wird anhand der ‚numberline’ zwischen ‚edition’ und ‚printing’ bzw. ‚impression’ unterschieden, was sich bei modernen Büchern der raschen Abfolge neuer Drucke vom stehenden Satz wegen auch bei uns eingebürgert hat. Eine vollständige Zahlenreihe von 1 bis n, zu der die dazugehörigen, meist zweistelligen Jahreszahlen treten können, ist dann Indiz für den ersten Druck der betreffenden Auflage. Der Satz bleibt, abgesehen von dieser Zahlenreihe, unverändert.
Auktionator – “The man who proclaims with a hammer that he has picked a pocket with his tongue” (Ambrose Bierce). Dem muß ich doch wohl nichts hinzufügen.
Autograph – die im allgemeinen kaum bis unleserliche eigene Handschrift des Autors auf einem Stück Papier. Doch eignet den → Autographen und → Widmungen der höchste Wert an Aura: wie anders käme man mit dem – meist verstorbenem und daher für normale Kommunikationswege wie Telephon oder E-Post unerreichbarem – Verursacher des Gedankens näher zusammen?
berieben – Oberflächenbeschädigung, bei der diese aufgerauht bis aufgescheuert ist, letzteres wäre als ‚stark berieben’ zu beschreiben. Meist geht mit der Bereibung eine Farbveränderung einher.
beschabt – Oberflächenbeschädigung eines schichtigen Bezugstoffes wie z.B. Leder, bei der dessen oberste Schicht an der betreffenden Stelle von der darunterliegenden gelöst bzw. abgelöst ist.
Beschädigungen – siehe: berieben, beschabt, bestoßen, gestaucht.
bestoßen – bedeutet, daß Bezugmaterial wie Deckelpappen an den Einbandecken bzw. –kapitalen durch unsanfte Behandlung aufgefächert sind; ein geringer Verlust von Bezugmaterial an diesen Stellen ist möglich. Durch Zusammenkleben kann dies einfach stabilisiert werden.
Bibliographien & Personalbibliographien – Warum bibliographiert man ein Buch, es liegt doch vor einem? Die bibliographischen Angaben bei der Buchbeschreibung dünken dem unbescholtenen Leser wie Fachchinesisch oder schlimmer, wie magische Formeln, gedacht, den potentiellen Käufer zu umgarnen.
Wie aber wollen wir wissen, ob das angebotene Werk vollständig ist – oder im entgegengesetzten Fall, daß dieser Band der einzige ist, der erschien? Wie will man dem Buch entnehmen, ob es sich wirklich um die Erstausgabe – oder noch schwieriger: um die Editio princeps handelt?
Die optimale Bibliographie gibt zu all dem Auskunft, und ihre Einträge beruhen auf Autopsie vorhandener, vollständiger Exemplare. Da kaum eine von Menschen verfaßte Bibliographie alle diese Ansprüche erfüllen kann, benutzt der vorsichtige Antiquar mehrere, notiert eventuelle Widersprüche sowie Ungewißheiten und schließt sich, wenn nicht das vorliegende Exemplar des Werkes Widerstand leistet, der mehrheitlichen Meinung an.
Ich bevorzuge eine gewisse Reihenfolge der Einträge: existiert eine Personalbibliographie zum Autor, dann nenne ich diese an erster Stelle, darauf folgen die sachbezogenen Bibliographien, dann die allgemeineren.
Die → Bibliographien und → Personalbibliographien bilden zusammmen mit einem Grundstock an Sekundärwerken zu Sachgebieten sowie allgemeinen Nachschlagewerken die Handbibliothek des Antiquars.
Blindprägung – ist die Verzierung des Einbandes mittels Stempel-, Platten oder Rollenprägung ohne Farbe oder Gold. Die Wirkung entsteht einzig durch den Druck und die Hitze beim Prägen des etwas angefeuchteten Leders: es verfärbt sich dadurch dunkler, die restliche Wirkung entsteht durch den Lichteinfall. Man findet sie auf Inkunabeln, Drucken des 16. Jahrhunderts und später im 20. Jahrhundert als Stilmittel. Die Goldprägung kam vom Orient über Italien nach Europa und löste die → Blindprägung ab, erfordert jedoch ein besseres, meist auch ein glatteres Leder. Die meisten der blindgeprägten Einbände sind mit Schweinsleder bezogen, auch auf Pergament können gute Effekte erzielt werden. Mit Aufkommen der Dampfmaschine und der mechanischen Einbandprägung konnten auch Leinwandeinbände blindgeprägt werden.
Broschur – Bindungsmethode ohne feste Deckel, also mit solchen aus dünner Pappe oder bedrucktem Karton. Die Lagen (Druckbögen) des Buches mögen fadengeheftet sein oder nur mittels Klebebindung vereinigt. Eine Interimsbroschur ist dazu bestimmt, durch einen festen Einband ersetzt zu werden. Taschenbücher sind → Broschuren.
Buchbinder – im besten Falle ein Kunsthandwerker, der das Beste aus Ihrem Buche macht, indem er es passend zum Inhalt in feines Leder oder Pergament kleidet, stilvoll vergoldet und vielleicht den Kopfschnitt ebenfalls vergoldet.
Wenn Sie sicher gehen wollen, halten Sie sich an Bewährtes, darum hier eine → Liste berühmter Buchbinder.
Buchdecke – siehe Einbanddecke.
Buchdruck – das in meinen Augen einzige Druckverfahren, das ästhetisch einwandfreie Produkte liefert: es wird von erhaben stehenden, mit der Druckerschwärze eingefärbten Teilen, den Bleilettern oder Holz- bzw. Metallschnitten, gedruckt.
Bücherwurm – besser „Holzwurm“ (Anobium punctatum, pertinax oder paniceum), Schadinsekt, dessen Spuren die Gänge in alten Holzdeckeln und Buchblöcken sind. Bohrmehl kennzeichnet die Hinterlassenschaften eifrigen Fressens.
Der Volksmund bezeichnet eifrige Leser als Bücherwürmer, da sie das Gedruckte zu verschlingen scheinen – dies jedoch zu ihrem geistigen Vorteil.
Buchfluch – Wenig nette Drohung auf dem Vorsatz, in der Vorrede oder im Kolophon an alle diejenigen, die Bücher entwenden, geliehene nicht zurückgeben oder Buchseiten verunstalten: „Wer diese Tafel bricht oder sie ins Wasser legt oder auf ihr herumschabt, bis man sie nicht mehr entziffern und verstehen kann, den mögen Assur, Sin, Shamash, Adad und Ishtar von Bit Kidmurri, die Götter des Himmels und der Erde und die Götter Assyriens mit einem Fluch strafen, der nicht mehr getilgt werden kann, schrecklich und gnadenlos, solange er lebt, und sein Name, seine Nachkommen sollen vom Land hinweggefegt und sein Fleisch den Hunden zum Frass vorgeworfen werden!“ (Aus: W. Hoepfner: „Antike Bibliotheken”). So ließ es bereits Assurbanipal in eine Tontafel drücken. Nicht nur die Antike, auch das christliche Mittelalter war an Buchflüchen reich.
Bünde – am sichtbarsten als erhabene Bünde auf dem Buchrücken; handelt es sich um echte Bünde, ist der Buchblock, sind also die einzelnen Lagen direkt mit dem Heftfaden an diese Bünde geheftet. Der Heftfaden tritt oben oder unten in die Lage ein, in der Höhe des Bundes aus, umfährt ihn und tritt wieder in die Lage ein; dies wiederholt sich für jede Lage so oft, wie Bünde vorhanden sind. Ausnahmen sind Heftmethoden, die zwei Lagen zugleich heften oder Bünde übergehen.
Bei den ältesten europäischen Büchern, Manuscriptcodices und Inkunabeln, wurden die Bünde meist aufwendig in den hölzernen Deckeln verankert, teils mehrmals durch in die Deckel aus Buchenholz gebohrten Löcher gezogen und schließlich mit einem von innen nach außen getriebenen Holznagel befestigt. Später zog man die Bünde ebenfalls mehrfach durch die Pappdeckel, schnitt sie dann aber ab oder fächerte die Hanffäden des Bundes auf, so daß er kaum mehr auftrug. Noch später, im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert wurden sie meist aufgefächert und glattgestrichen zwischen Deckel und Vorsatz verklebt.
Bünde, unechte – den Potemkinschen Dörfern verwandt, werden verwendet, um den Anschein der echten Bünde zu erwecken, bestehen aber aus Pappstreifen, die auf den Rücken geklebt und mit dem Leder überzogen wurden. Der Buchblock selbst ist dann meist auf eingesägte Bünde geheftet.
Büttenpapier, handgeschöpftes – Die chinesische Methode der Papierherstellung gelangte Mitte des achten Jahrhunderts nach Samarkand, doch verbreitete sich die Technik nur langsam, im zehnten Jahrhundert bis nach Kairo, um 1100 bis nach Fez in Marokko. Um 1260 begann man, im christlichen Spanien Papier herzustellen; vom maurischen Landesteil gelangte die Fertigkeit nach Italien; doch die erste Papiermühle in Deutschland ist jene von Ulman Stromer 1390 vor den Toren Nürnbergs errichtete.
Durch Wasser angetriebene Räder setzten das Stampfwerk in Gang, in dem die Leinenlumpen mazeriert wurden; die zerkleinerten, in Wasser aufgeschwemmten Fasern wurden schließlich mittels der Bütte, eines flachen Holzrahmens mit einem Drahtsieb, geschöpft, durch Pressen, Gautschen, entwässert und danach getrocknet. Geleimt wurde das Papier meist erst nach dem Bedrucken. Das Wasserzeichen entstand durch ein auf dem Sieb der Bütte angebrachtes Drahtmuster. Um 1700 wurde zuerst in Holland das Stampfwerk durch den „Holländer“, das Stampfen durch Walzen ersetzt. Die Bütte wurde nach 1800 von der Langsiebmaschine abgelöst, deren Papier nicht mehr die typische Struktur des Büttensiebes ausfweist, sondern eher glatt ist.
Darauf folgte, die Vielzahl der Bücher und die gestiegenen Auflagen waren schuld, ein Niedergang durch Erfindung des Holzschliffes und Verwendung säurehaltiger Substanzen; kurzlebiges, sich durch chemische Prozesse bräunendes und in sich zerfallendes Papier waren die Folge.
Die Ende des neunzehnten Jahrhunderts in England aufgekommende Tradition der Handpressen verwandte wieder das dauerhafte, herkömmliche Hadernpapier; → Morris und → Cobden-Sanderson bezogen ihres von Joseph Batchelor & Son in Kent; die → Bremer Presse verwandte → Van Gelder Bütten, ebenso die → Rupprecht Presse bei einem Teil ihrer Werke.
Der Hintergrund dieser Seiten ist ein hellblau eingefärbter Scan des von William Morris verwandten handgeschöpften Batchelor-Büttens.
Chagrinleder – durch Honoré de Balzacs Roman „La Peau de chagrin“ zu Ruhm gekommene Lederart, ohne die Doppeldeutigkeit des Wortes ‚chagrin’. Zumeist entspricht es in seiner Oberflächenstruktur dem Saffian- bzw. Hardgrainleder, ist also fein gekörnt und eignet sich daher besonders für kleine Formate.
Chromolithographie – mehrfarbiger, lithographischer Druck von zahlreichen Steinen, dadurch wird eine sonst kaum zu erreichende Farbtreue erzielt.
Definition antiquarischer Bücher – Stehen nicht auf der Bestsellerliste. Sind nicht in Folie eingeschweißt. Haben mindestens einen ihrer Leser überlebt.
Deus ex machina – Kunde, der nach längerer Trockenperiode des Antiquars bei diesem ein halbwegs wertvolles Buch erwirbt.
Duodecimo – 12°, 12mo, Duodez, auf seinen beiden Seiten finden sich 24 Druckseiten vereint, der Bogen wird zerschnitten in einen größeren Teil, der einem Oktav entspricht und ebenso gefaltet und einen kleineren, der diesem eingelegt wird, dies beides ergibt die Lage. Die Laufrichtung liegt quer zu Höhe des Buches. Als reine Größenangabe bezeichnet der Begriff Bücher mit einer Blatthöhe bis 15 cm.
Editio princeps – der Text erblickt zum ersten Male in gedruckter Form das Licht der Welt. Der Begriff → Editio princeps hat durchaus etwas Feierliches, besonders bei den Ausgaben antiker Klassiker, deren Texte lange Zeit verderbt oder sogar verschollen waren: ein Stück unseres Wissens ist wiederentdeckt.
Einbanddecke – Wärend früher, und teils noch heute, wertvolleHandeinbände auf echte Bünde geheftet und diese durch die Deckel gezogen wurden, so daß die beiden Deckel fest mit dem Buchblock verbunden waren, und das Ganze eingeledert werden konnte, rührt die Idee der Buchdecke von den Pergamenteinbänden, deren Umhüllung in einem Stück gefertigt wurde. Man zog die ebenfalls pergamentenen Bünde durch an den Rückengelenken befindliche schmale Ritzen nach außen und durch ebensolche daneben eingeschnittene wieder nach innen.
Die moderne Decke greift dies Prinzip auf; sie besteht aus den beiden Buchdeckeln und dem Rückenteil, verbunden mittels des Überzugstoffes, ist jedoch nur noch durch die Vorsätze sowie die Hinterklebung aus Gaze mit dem Buchblock verbunden. Sind diese zu dünn oder zu weich, sinkt der Buchblock innerhalb den Einbandes nach unten, bis er mit seiner Unterkante auf das Regalbrett trifft. In den Rücken eingefügte Hülsen aus Papier sollten dem entgegenwirken und die Konstruktion festigen, bewirken aber meist, da schlecht angepaßt, eher Schaden, indem ihre Gelenke sich anderswo befinden als die der Buchdecke, was in der Folge den Rücken verformt.
Erste Ausgabe – der Begriff ist etwas weiter gefaßt als „Editio princeps“ und mag auch die → Erstausgabe in einer Sprache, also die Erstveröffentlichung einer Übersetzung, oder die erste Ausgabe einer wesentlichen Textbearbeitung oder -zusammenstellung beinhalten. Siehe auch Auflage und Numberline.
Eselsohren – offenkundiger Mangel an Lesezeichen.
Exlibris – meist auf den Spiegel, seltener auf ein fliegendes Vorsatzblatt montierter Besitzvermerk („aus den Büchern von ...“) mit dem Namen oder Wappen des Besitzers, dann Wappenexlibris. Im neunzehnten und besonders im zwanzigsten Jahrhundert lassen sich schöne, künstlerisch gestaltete → Exlibris finden, die allein deshalb des Sammelns würdig sind.
Falz – vieles wird Falz benannt, meist ist aber der innerste Teil des Blattes gemeint, dort, wo es gefaltet, gefalzt wurde, zum Beispiel mit dem Falzbein. Den Einband betreffend ist es angemessener von Gelenk zu sprechen.
Fleural – nicht ‚floral’, da die Sprache der Einbandbeschreibung zum Teil aus Frankreich rührt, das im 16. Jahrhundert Italien als Reich der Bibliophilie wie Einbandkunst ablöste. Unter → fleuraler Vergoldung wird alles zusammengefaßt, was Blättern oder Blüten ähnlich sieht, Stilisierung ausgenommen.
‚Blattwerk’ besteht hingegen nur aus einem Blattmotiv und kommt ebenso wie ‚Rautengerank’, die häufige ‚Kranzrolle’ oder der ‚Laubstab’ meist auf deutschen blindgeprägten Einbänden des 16. Jahrhunderts vor.
Die ‚Maureske’ ebenso wie das meiste ‚Bandwerk’ können ihre islamische Beeinflussung nicht verbergen, sind also den regen Handelsbeziehungen vor allem Venedigs mit dem Orient zu verdanken.
Folio – 2°, das einmal gefaltete Blatt des in der Bütte geschöpften Papieres. Zu einer Lage wurden meist mehrere der Blätter ineinandergelegt. Als reine Größenangabe bezeichnet der Begriff Bücher mit einer Blatthöhe von 35-45 cm oder mehr, dann Großfolio, Elephantenfolio und ähnlich benannt.
Formate – siehe unter Folio, Quarto, Octavo, Duodecimo, Sedecimo.
Frontispiz – gestochene → Zierseite am Buchanfang vor dem Titel, meist diesem gegenüber. Auch andere Druckverfahren als Stich oder Radierung kommen vor.
gestaucht – die Einbandecken sind so gestoßen worden, daß sie etwas breiter und eventuell faltig geworden sind; kein Verlust an Bezugmaterial.
Graphische Techniken – siehe Holzschnitt, Kupferstich, Lithographie.
Handbibliothek – Versuch, die Kunden von der Gelehrsamkeit und Fachkompetenz des Antiquars zu überzeugen. Besteht aus den → Bibliographien (s.d.), → Personalbibliographien und einem Fundus an allgemeinen wie speziellen Nachschlagewerken. Selbstverständlich sind auch hierin manche Kunden im Vorteil, da sie zu ihrem Sammelgebiet eine reichhaltige Fachbibliothek besitzen, während der nicht so spezialisierte Antiquar eher bemüht ist, sich einen Überblick zu gewährleisten.
Es ist immer schön, in ein neues Gebiet einzutauchen und die entsprechenden Werke in eine mühsam geschaffene Lücke einzuordnen.
Holzschnitt – ist ein Reliefschnitt, der druckende, erhabene, also vom Schneidemesser oder Stichel ausgesparte Teil des Langholzes wird eingefärbt. Da der Buchdruck ebenfalls ein Hochdruckverfahren ist, kann der Holzblock dem Schriftbild einfach eingepaßt werden und die Seite in einem Vorgang gedruckt. Detailreicher ist der im 18. Jahrhundert entstandene Holzstich, der Stirnholz verwendet, das wesentlich härter als das Langholz ist, dadurch feinere Linien und höhere Auflagen zuläßt. Der → Holzschnitt ist die älteste der graphischen Techniken, künstlerische Drucke auf Papier lassen sich im europäischen Raum ab etwa 1400 nachweisen, aber bereits die Babylonier preßten Holzstempel in Ton.
nitiale
– leitet den Text ein und ist in den Handschriften nicht nur
größer als die Brotschrift und in einer anderen
Farbe, meist rot oder blau, sondern teils ornamentiert und vergoldet
sowie im weißen Rand mit Rankenwerk verziert; in den
frühen Drucken ist als → Initiale
meist ein kleiner Holzschnitt
verwandt, der durchaus figürliche Darstellungen enthalten und
künstlerischen Rang besitzen mag.
Japanpapier – wird mittels Weichen und Schlagen aus dem Bast der Papiermaulbeerbaumrinde hergestellt; eine gleichmäßige Verteilung erzielt man durch Fasersuspension mittels Pflanzenschleim der Wurzel von Abelschoschus manihot. Das fertige Produkt zeichnet aus sich durch seidigmatten Glanz sowie lange Fasern, die ihm eine ungewöhnliche Reißfestigkeit schenken.
In Europa wurde und wird → Japanpapier für limitierte, bibliophile Ausgaben verwandt; die Druckerschwärze lagert unvergleichlich auf seiner Oberflache, nur noch durch Pergament zu übertreffen.
Kapitale,
handgestochene – kommen nur bei handgebundenen
Büchern vor. Mit einem oder mehreren farbigen
Seidenfäden werden ein oder mehrere runde Schnüre
oder flache Streifen, z.B. Pergaments, umstochen, wobei sich unten, am
Schnitt des Buches kleine Knötchen ergeben. Das → handgestochene
Kapital kann
spiegelsymmetrisch zu seiner Mitte gestaltet sein. Die
Methoden des Umstechens sind zahlreich. Bei Handschriften und
Inkunabeln mag das Kapital direkt um einen Bund gestochen sein, der
dann wie die anderen Bünde in den beiden Buchdeckeln verankert
worden ist.
Katalog – mehr oder wenige regelmäßig erscheinende Zusammenstellung von Beschreibungen und bisweilen auch Abbildungen von mehr oder weniger vielen Büchern, die altertümlich per Post versandt wird – und daher mit dem Eintreffen beim Kunden fast immer überholt ist, da die durch Titelaufnehmen, Gestalten, Drucken, Binden und endliches Versenden entstandene Vorlaufzeit durchaus einige Wochen betragen mag. Der Kunde sollte einkalkulieren, daß er bei einem gedruckten Katalog den Aufwand der Druckerei und der Buchbinderei mitbezahlen darf.
Meine → Listen werden als Serienbrief auf einem Laserdrucker hier bei mir doppelseitig ausgedruckt, die Kosten fallen daher nicht ins Gewicht; zugleich erscheinen sie als Angebot auf meiner Seite. Die Herstellung sowohl meiner ausgedruckten wie der ins Netz gestellten Versionen ist durch Formatvorlagen und Makros (kleine Programme) automatisiert, so daß kein nennenswerter Vorlauf aufkommt.
Jedoch kann das Sammeln alter Kataloge großes Vergnügen bereiten, indem man erfährt, was die Bibliophilen und Buchabhängigen früherer Tage bei sich im Hause stehen hatten, meist Werke, von denen man heute nur noch träumen kann – aber dies Träumen ist ein Teil der Sammellust: wenn ich nicht ahnte, was alles noch auf mich wartet, wohin sollte sich dann mein bibliophiles Leben ausrichten?
Kollation – kollationieren; der Bibliothekar ebenso wie der Antiquar sollte jedes erhaltene Buch auf seine Vollständigkeit prüfen, indem er es Blatt für Blatt durchsieht. Dabei ergibt sich im allgemeinen, daß ein Buch aus ungezählten, also nicht numerierten, sowie gezählten, also numerierten Seiten oder Blättern besteht, dies wird notiert und der Buchbeschreibung beigefügt. Ich notiere ungezählte, also nicht mit einer Paginierung versehene Seiten beziehungsweise nicht mit einer Foliierung versehene Blätter in eckigen Klammern. Siehe auch Lagensignaturen.
Kolophon – die → Schlußschrift mit Nennung von Schreib- bzw. Druckort und -zeit sowie dem Namen des Schreibers bzw. Druckers oder Verlegers. In Handschriften und Inkunabeln bisweilen mit religiösen Floskeln versehen, in Drucken mit dem holzgeschnittenen Signet des Druckers bzw. Verlegers; hier findet sich dann zum Beispiel der berühmte Aldus-Anker mit dem Delphin, der schon den Titel ziert, wiederholt oder ist eine der schönen, reich ornamentierten Druckermarken William Morris’ eingedruckt.
Konvolut – aus dem Latein, ‚convolutum’, i.e. zusammengerollt, (Buch-)Menge disparaten Zeugs, das mittels eines angenehm klingenden Etiketts zusammengehalten wird, bei Auktionatoren beliebt. Erinnert mich an gewisse Bananenkisten, deren oberste Schicht aus ein paar brauchbaren Büchern besteht, darunter Makulatur, s.d.
Kupferstich – ein Tiefdruckverfahren, das wohl erstmals um 1430 angewandt wurde, aus dem Waffen- und Goldschmiedehandwerk stammt und vom Buchdruck unabhängig blieb, da die Kupferillustration im Buchhochdruck des Textes entweder einen zweiten Druckvorgang oder das Einkleben der fertigen Kupfer erfordert. Die Zeichnung wird seitenverkehrt direkt in die geglättete Kupferplatte eingegraben oder in die mit dem Ätzgrund, einer Mischung aus Wachs, Harz, Asphalt und Mastix, überzogene Platte geritzt, dann geätzt. Die Druckfarbe wird in die vertieften, druckenden Rillen eingerieben, überflüssige abgewischt.
Kustode – nennt man die vorwegnehmende Wiederholung des ersten Wortes oder des Wortanfangs der nächsten Seite unter dem Textschluß der diesem vorangehenden Spalte. In der Handschriftenzeit, hier Reklamante genannt, ergab dies ein eindeutiges System, die Reihenfolge der losen Blätter festzulegen. In den gedruckten Büchern wurde dieser Brauch lange Zeit, bis ins späte 18. Jahrhundert, beibehalten.
Lagensignaturen – Bei jedem Buch, das aus mehreren Druckbögen, die beim Vorgang des Heftens und im fertigen Buch „Lagen“ genannt werden, besteht, ergibt sich die Schwierigkeit, diese in der intendierten Reihenfolge weiterzuverarbeiten. Dazu dienten in der Handschriftenzeit neben den Lagensignaturen auf jeweils dem ersten Blatt recto unten jeder Lage zum Beispiel auch die Kustoden. Beim gedruckten Werk haben sich bis in die Neuzeit die Lagensignaturen erhalten, die dem Buchbinder, der, bindet er von Hand, in Europa von hinten nach vorn arbeitet, übermitteln, welche Lage er als nächste in der Heftlade anlegen und verarbeiten muß. Man benutzte zu diesem Zweck vornehmlich das lateinische Alphabet, bei griechischen Werken auch das griechische, genügte dies nicht, folgten den Großbuchstaben kleine, diesen verdoppelte, Zusammenstellungen aus Majuskeln und Minuskeln und so fort. Soweit es Bücher des 15. und 16. Jahrhunderts betrifft, sollte beachtet werden, daß dem hierzu verwandten Alphabet aus sprachhistorischen Gründen die Lagensignatur „j“ fehlt, und „u, v, w“ entweder zu „u“ oder „v“ zusammengefaßt sind, so daß ein komplettes Lagensignaturenalphabet insgesamt 23 lateinische Buchstaben umfaßt.
Das zweite Blatt zum Beispiel der Lage „a“ erhielt recto unten die Signatur „a ii“ und so weiter bis zur Lagenmitte. Vorreden, Indices und ähnliches wurden, auch wegen des versetzten Zeitpunktes ihres Druckes, meist separat geordnet und ihre Lagen mit anderen Zeichen versehen, zum Beispiel „&“, „*“, „â“ und dergleichen.
Auch die Pressendrucke haben dieses Ordnungssystem meist beibehalten.
Bei modernen Büchern, die von Maschinen geheftet und gebunden werden, verwendet man bisweilen kurze schwarze Rückenstreifen, die von oben nach unten wandern und im fertigen, gebundenen Buchzustand nicht mehr sichtbar sind. Siehe auch Kollation.
Leder – neben → Pergament die schönste Bekleidung für das Buch. Die Palette reicht vom schlichten, blindgeprägten alaungegerbten → Schweinsleder über Holz-, später Pappdeckeln bis zum reichvergoldeten Einband aus → Maroquin, also Ziegenleder. Beliebt auch das naturbelassene, marmorierte oder gesprenkelte → Kalbleder, das gern für Halbeinbände benutzt wird, bei denen nur der Rücken und eventuell die Ecken eingeledert werden, die Deckel mit Papier oder Marmorpapier bezogen. Schafleder wurde zeitweise → maroquiniert und mag dann dem Maroquin täuschend ähnlich aussehen, ist aber weicher und nicht ebenso haltbar.
Lichtdruck – Phototypie, Collotypie, Albertotypie, Druckverfahren für relativ kleine Auflagen zwischen 1000 bis 2000 Exemplaren. Auf eine dicke, mattgeätzte Glasplatte wird in zwei Lagen eine Emulsion aus lichtempfindlicher Chromatgelatine gebracht und getrocknet. Diese wird mittels eines Halbtonnegativs belichtet, wodurch die in der Gelatine enthaltenen Chromatsalze die Wasserlöslichkeit der Gelatine verändern. Die Chromatsalze werden ausgewaschen, es entsteht ein rasterloses Gelatinerelief mit dem charakteristischen „Runzelkorn“, das auch das Druckergebnis des → Lichtdruckes kennzeichnet. Mehrfarbendruck von mehreren solcher Platten.
Limitierte Auflage – bedeutet, daß die Menge der gedruckten Exemplare beschränkt wurde, meist werden die einzelnen Bücher dann entweder in der Presse oder nachträglich per Hand mit einer Nummer versehen.
Gliedert sich die limitierte Auflage in besonders ausgestattete Teilmengen, spricht man von Vorzugsausgabe (A) oder (B). Kriterien dafür können sein: Exemplare auf Pergament, Japanpapier, besonderem Bütten, zusätzliche Graphikfolgen, zusätzliche Kolorierung von Illustrationen und dergleichen.
Zu unterscheiden vom „getrüffelten“ Exemplar, dem nachträglich von einem Besitzer oder vom Verleger Graphiken, Autographen etc. hinzugefügt wurden.
Lithographie – ein Flachdruckverfahren, das auf der Abstoßung von Wasser und Fett beruht und 1798 von Alois Senefelder entdeckt wurde. Bei der → Lithographie wird die Zeichnung mittels einer fetthaltigen Substanz auf den geglätteten und vorbereiteten Kalkstein übertragen: mit einer Feder, Kreide oder einem Pinsel. Dann wird der Stein mit Talk überwischt und die Ätze aus Gummi arabicum und Salpetersäure aufgetragen, nach dem Auswaschen der Zeichenfarbe mittels Terpentin oder Öl bleibt der Fettgrund, der die Farbe aufnimmt. Die Papierlithographie verwendet Umdruckpapier zum Übertragen der Zeichnung und vermeidet dadurch die Seitenvertauschung.
Makulatur – aus dem Latein, ‚macula’, i.e. Fleck, ist 1) ein verdruckter Bogen, 2) ein beschädigtes Buch, 3) ein obsoletes Buch. Über Nr. 3 darf man geteilter Meinung sein, eigentlich kann nichts, was ein Mensch je dachte, überholt sein, aber Moden bestimmen bisweilen auch hier.
4) und am wichtigsten: ein als Rückenhinterklebung verwandtes oder in die Innenseite des Buchdeckels gepapptes Stück einer alten Handschrift oder eines alten Buches. Im 16. Jahrhundert, als statt der hölzernen Buchdeckel solche aus Pappe aufkamen, wurden diese u.a. mittels Aufeinanderleimen bedruckter Papierstücke hergestellt. Meist handelt es sich leider um juristische Texte, die bereits wenige Jahre nach Schreiben als langweilend empfunden wurden, sehr selten um Fragmente des Nibelungenliedes oder ähnliche Rarissima.
Maroquin – siehe Ziegenleder.
Modernes Antiquariat – Euphemismus für das Verramschen eben noch preisgebundener Bücher. Ausnahme: Auflagen, die speziell für das moderne Antiquariat, meist dort wo es billig ist, gedruckt worden sind.
Numberline – Zahlenreihe unter dem Druckvermerk, meist auf dem Titelverso unten zu finden. Sie gibt an, um den wievielten unveränderten Druck dieser Ausgabe es sich handelt, indem bei jedem Neudruck jeweils eine Zahl sowie das ihr entsprechende Jahresdatum abgestrichen werden.
Eine vollständige → Zahlenreihe von 1 bis n, zu der die entsprechenden, meist zweistelligen Jahreszahlen treten können, ist dann Indiz für den ersten Druck dieser bzw. den – besonders wertvollen – der ersten Auflage.
Octavo – 8°, 8vo, das dreimal gefaltete Blatt des in der Bütte geschöpften Papierbogens ergibt eine Lage, daher ist seine Laufrichtung parallel zu Höhe des Buches. Als reine Größenangabe bezeichnet der Begriff Bücher mit einer Blatthöhe von 15-25 cm.
Original – Das Präfix „Original“ bezeichnet in der Regel den vom Verleger beziehungsweise dessen Buchbinder um den Buchblock gebundenen Einband, also einen Verlagseinband. In der Neuzeit tritt der Schutzumschlag, der meist, bisweilen sogar künstlerisch, illustriert ist, hinzu.
Paginierung – ist ein beliebtes Mittel, den Leser durch unschön auf der Seite angebrachte Ziffern, die nichts mit dem Text zu tun haben, zu verwirren; sie dient bloß dazu, einen Index halbwegs sinnvoll zu handhaben, und dem Gelehrten, Zitate seitengenau einer Position im Werk zuzuordnen. Vorläufer der Seitenzählung ist die Blattzählung, bei der jeweils nur die Vorderseite des Blattes eine fortlaufende Ziffer erhält; frühe Handschriften sind teils garnicht foliiert oder paginiert, man trug den Inhalt wohl eher mit sich im Kopf als wir heutigen Vielleser. In diesem Zusammenhang ist es erstaunlich, wieviel selbst noch Erasmus aus dem Gedächtnis zu zitieren vermochte – ohne Register, Stellenverweise und Google.
Noch heute wird z.B. Platon nach der Paginierung der Estienne-Ausgabe von 1578 (Renouard 145,1) zitiert; da es sich bei dieser um ein Folio handelt, wäre das Auffinden der Textstelle etwas langwierig, also wurde die Seite in der Mitte der beiden Spalten nochmals unterteilt mittels der Buchstaben A-E.
Papier – siehe Büttenpapier.
Pergament – unterscheidet sich vom Papier wie vom Leder: seine Fasern sind miteinander verleimt, und es wird ohne Gerbung hergestellt. Sein Name geht auf den Ort Pergamon zurück, zu dem seine Herstellung im zweiten Jahrhundert v.u.Z. verbessert wurde. Zuerst als Rolle aus miteinander verbundenen Streifen, dann ab dem vierten Jahrhundert als Codex in der heute noch üblichen Buchform diente es für Jahrhunderte als äußerst stabiler, nur gegen Trockenheit und Hitze empfindlicher Stoff bis zum Aufkommen des Papiers als Speicher für Texte. Es ist hygroskopisch und neigt dazu, wellig zu werden; deshalb versieht man auf Pergament geschriebene oder gedruckte Bücher gern mit festen Deckeln und Schließen.
Es wird aus den Häuten von Lämmern bzw. Kälbern, Schafen oder Ziegen hergestellt durch Enthaaren, Äschern in Kalk, was zur Verseifung des enthaltenen Naturfettes führt, dann durch Spannen und Schaben, um es als Beschreibstoff zu glätten, so daß die Feder darauf schreiben kann. Im Westen rieb man das → Pergament mit Bimsstein und Kreide, um eine samtige, matte Oberfläche zu erzielen.
Das auf Pergament erzielte Druckbild ist unvergleichlich klarer und prägnanter als das auf Papier, nur jenes auf sehr gutem Japanpapier kommt dem fast gleich.
Privatdruck – Vermeidung des Umweges, einen Verleger zu konsultieren, der evtl. keine Lust hat, das Buch zu veröffentlichen oder unnötig daran herumkrittelt. → Privatdrucke erscheinen meist in kleiner Auflage, sind dementsprechend selten und teils bibliographisch von besonderem Interesse, da durchaus Abweichungen innerhalb der gedruckten Auflage vorkommen können, wie z.B. beigegebene Illustrationen, Textveränderungen u.s.w.
Provenienz – der → Vorbesitz, ersichtlich durch handschriftlichen Eintrag, Initialen auf dem Bucheinband, → Exlibris, → Supralibros, → Widmung und dergleichen. Je exquisiter die → Provenienz, desto größer die Freude.
Pseudonym – Nicht, daß der Verfasser des Werkes der genannte sei, sondern, Rimbaud folgend, ist er ein → anderer.
Quarto – 4°, 4to, das zweimal gefaltete Blatt des in der Bütte geschöpften Papierbogens ergibt eine Lage, daher ist seine Laufrichtung quer zu Höhe des Buches. Als reine Größenangabe bezeichnet der Begriff Bücher mit einer Blatthöhe von 25-35 cm.
Rara – vulgo: → Seltenheiten. Dasjenige, das man ein Leben lang suchen kann und nicht finden, bzw. dasjenige, das man, wenn endlich gefunden, nicht bezahlen kann. – Manch ein seltenstes Buch oder → Unikat, das ich anbiete, könnte vielleicht bezahlbar sein.
Raubdruck – Hilfsmittel zur Verbreitung eines Textes unter Umgehung der Rechte des Autors (in früheren Zeiten waren es seiner Rechte sehr wenige) und mit Ersparnis der Mühen des Ursprungsverlages, die dieser für Erstellen einer korrekten Edition, Lektorat etc aufwand.
Bereits im 16. Jahrhundert befleißigte man sich z.B. in Lyon, die guten Aldus-Ausgaben nachzudrucken; Urheberrecht oder Copyright gab es damals noch nicht, das venezianische Privileg war nur soviel wert, wie die venezianische Herrschaft reichte.
Rauschel – oder Rauschelgold, eigentlich kein Gold, sondern Ersatz, so wie Zichorienkaffee für echten Kaffee, wahrscheinlich eine bronzeähnliche Legierung, eventuell mit Goldanteil, die wie Gold zu hauchdünnen Blättern geschlagen wurde und statt des wesentlich teureren Blattgoldes verwandt. Es oxydiert in Gegensatz zu echter Vergoldung, wurde jedoch bereits im Deutschland des 16. Jahrhunderts verwandt, so zum Beispiel Rabenau: „Deutsche Bucheinbände der Renaissance um Jacob Krause“ Abbildung 7, ein Einband von Barthel Gerngroß.
Reglieren – Mittel, das gedruckte Buch handschriftenähnlicher zu gestalten: die Satzspalte ist von dünnen roten Linien umgeben, die bis an den äußeren Rand der weißen Stege, also die Blattränder, verlängert sind. Da dies per Hand geschah, dürfen → reglierte Exemplare eines Druckwerkes zurecht als besonders wertvoll erachtet werden.
Remboîtage – Wiedereinhängen in die alte Einbanddecke des Buches oder in eine andere, gleichgroße der Zeit. Im ersten Falle erlaubtes Mittel des Restaurierens, im zweiten verfälschend.
Schließe
– Mittel, die Spannung des Lesers zu erhöhen, ehe er
endlich dem Text gegenübertreten darf. Erfüllt auch
praktische Zwecke: den Buchblock durch das Zusammenhalten der Deckel
vor dem Eindringen von Staub und überhaupt vor
Beschädigungen zu schützen. Die → Schließen
früher Drucke sind meist
Gußstücke aus Messing: ein am Hinterdeckel mittels
Lederstreifen beweglich angebrachter Haken wird an einer Öse
auf dem Vorderdeckel befestigt.
Mit dem Aufkommen der Pappdeckel ersetzte der Buchbinder die Metallschließen durch Bindebände aus weichem Leder, die einfach durch die Deckel gezogen sind und unter dem festen Vorsatz verklebt; auch Leinen- oder Seidenbänder waren gebräuchlich.
Sonderformen sind die ziseliert und durchbrochen gearbeiteten Silberschließen von Gebetbüchern, modernere Schließen aus geflochtenen Pergamentstreifen, oder einfach Schließbänder aus farbiger Seide, wie zum Beispiel bei den Pergamenteinbänden der → Kelmscott Press.
Schnitt – sofern die Büttenränder nicht belassen werden, wird der Buchblock mit dem Schneidemesser oder einer ähnlichen Vorrichtung oben, vorn und unten beschnitten. Bisweilen wird nur oben auf solche Weise begradigt, der → Kopfschnitt, und anschließend vergoldet, um die Blätter vor dem Eindringen von Staub zu schützen.
Unbeschnitten ist kein Mangel, sondern ein Vorzug, da das ganze Blatt, so wie es der Drucker intendierte, erhalten ist, dadurch die optimalen Stegverhältnisse gewahrt bleiben. Pressendrucke sind meist oben mit einem Goldschnitt versehen, vorn und unten → unbeschnitten belassen, damit die herrlichen, ungleichen Büttenränder, Kennzeichen des handwerklichen Herstellungsprozesses in der Bütte, erhalten bleiben.
Auch → unaufgeschnitten ist kein Mangel, sondern ein Vorzug, da das Buch als ganzes oder partiell in seinem jungfräulichen, ungelesenen Status verblieben ist.
Schuber – schützt das Buch, dort wo es empfindlich ist, an Schnitt und Deckeln, vor Umwelteinflüssen. Ein einfacher → Schuber wird aus gefalteter Pappe angefertigt, bessere werden aus zugeschnitteten Stücken grauer Buchbinderpappe hergestellt und dann mit farbigem oder Marmorpapier bezogen.
Eine → Kassette, meist zum klappen, umfängt das in ihrem weich gefütterten Inneren eingelagerte Buch gänzlich und sollte für sehr wertvolle bzw. empfindliche Bücher angefertigt werden.
Schutzumschlag – um die Buchdeckel und den Rücken geschlungenes Stück meist bedruckten Papiers, sozusagen eine Verkleidung. Auf Englisch dust-jacket, obgleich der Staub das Buch im allgemeinen, irgendwelcher physikalischen Ursachen halber von oben trifft, und nicht von der Seite.
Ein → Schutzumschlag dient mit seiner Rückseite und den Einschlägen meist der Werbung, der geneigte Leser findet dort anpreisende bis nichtssagende Texte zum Buch vor. Die Vorderseite und der Rücken sollen Aufmerksamkeit erregen, weshalb zu seiner Gestaltung Künstler, Graphiker oder Photographen herangezogen werden. Will heißen, daß manche Schutzumschläge durchaus ansehnlich oder sogar künstlerisch wertvoll und damit Sammlungsobjekte sein können.
Sedecimo – 16°, 16mo, Sedez, das viermal gefaltete Blatt des in der Bütte geschöpften Papierbogens ergibt eine Lage, daher ist seine Laufrichtung quer zu Höhe des Buches.
Stockflecken – Ansiedlung von Pilzen im Papier, die sich – genügend relative Luftfeuchtigkeit, also mehr als 60%, vorausgesetzt – fröhlich vermehren und mittels der Papierzellulose Säure produzieren, die das Papier angreift. Wenn ästhetische Gründe nicht dagegen sprechen, kann man, solange das Papier noch genügend Festigkeit aufweist, von einer Behandlung absehen. Desinfektion und vorallem Bleichen könnten unter Umständen schaden.
In heutigen, zentralbeheizten Räumen zeichnet sich der Winter eher durch ein Zuwenig an Luftfeuchtigkeit aus. Stockfleckenbildung ist also kaum noch eine Gefahr; eher verziehen sich der Trockenheit wegen die Pergamenteinbände, die deshalb eng gestellt oder in Schubern aufbewahrt werden sollten.
Supralibros – Besitzerzeichen oder -wappen auf den Deckeln. Besonders in Adelskreisen waren → Supralibros beliebt.
Vélinpapier – weist eine glattere Oberfläche als gewöhnliches auf, was auf das feinmaschige Sieb der Bütte zurückzuführen ist.
Im Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts wurden die Druckwerke meist in Varianten auf normalem Papier und Schreibpapier angeboten; Enslin/Engelmann verzeichnen deren unterschiedliche Preise.
Vignette – kleiner Holzschnitt oder Kupferstich, rein ornamental oder mit Einschluß von figürlichen bzw. fleuralen Motiven auf dem Titel, zu Textbeginn oder -schluß, dann auch Cul-de-lampe benannt.
Vorsatz – das Vorsatz verbindet den vom Buchdrucker gedruckten Teil des Buches, den Buchblock, sichtbar mit dem Einband. Früher wurde das Vorsatz vom Buchbinder in den meisten Fällen mitgeheftet, dann mochte es bisweilen auch aus mehr als einem Doppelblatt bestehen. In der modernen Zeit wird das Vorsatz an den Buchblock im Falz schmal angeklebt. In jedem Fall wird das feste Vorsatz, auch „Spiegel“ genannt, an den Innendeckel des Einbandes geklebt, seine Entsprechung innerhalb dieses mittig gefalteten Doppelblattes ist das fliegende Vorsatz, das wie ein normales Buchblatt erscheint, doch bis auf seltene Ausnahmen unbedruckt verbleibt. Meist wird etwas festeres Papier, zum Beispiel ein Maschinenbütten, als Vorsatz verwandt, da die Gewichtslast des Buchblockes im Einband – beim modernen Buch des Buchblockes in der separat erstellten Einbanddecke – sowie die Spannungskräfte beim Öffnen des Buches darauf sowie auf der Hinterklebung lasten.
Um diese Spannung, die aus den verschieden gelagerten Drehachsen beim Öffnen herrührt, zu vermindern, verwenden moderne Buchbinder zum Beipiel ein schmales ZickZack im Falz des Vorsatzes; in der frühen Zeit behalf man sich mit Hinterklebung aus Leinwand- oder Pergamentstreifen zwischen Buchblock und dem direkt auf dessen Rücken samt Bünden geklebten Leder. Auch Hülsen aus faserigem Papier innerhalb des Hohlrückens dienen dem Zweck, die Vorsätze zu entlasten.
Vorzugsausgabe – Teil einer Auflage mit besonderer Ausstattung: auf besserem Papier, mit zusätzlicher Illustration, mit zusätzlicher Originalgraphik, in besserem Einband. Meist innerhalb der Auflagennumerierung besonders gekennzeichnet. Eine → Vorzugsausgabe ist, so vorhanden, für den bibliophil orientierten Sammler stets von besonderem Interesse.
Wasserzeichen – „The angel is my watermark“ schrieb Henry Miller, doch leider kommen Engel höchst selten als Wasserzeichen im Büttenpapier vor, häufiger sind Hausmarken, Stierköpfe, Kronen und dergleichen, also Verweise auf den Produzenten. Bei handgeschöpftem Papier wird auf dem Drahtnetz der Bütte, mittels der jeder einzelne Bogen aus der Faserschwemme geschöpft wird, das Ornament, das später als Wasserzeichen zu sehen sein soll, aufgebracht. Es können sich an diesen Stellen weniger Fasern anlagern, das Papier wird dort dünner, so daß das Wasserzeichen beim fertigen Bogen etwas heller als der Rest durchscheint..
Widmungsexemplar – Ist eine Signatur der bloße eigenhändige Namenszug des Autors bzw. Herausgebers, so geht die → Widmung einen Schritt weiter: dies Exemplar ist jemandem handschriftlich zugeeignet, der dem Verfasser entweder nahestand oder berühmt genug war, sich diese Bevorzugung zu verdienen. Widmungsexemplare werfen ein Licht auf die freundschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen des Autors. Wer sie sammelt, erhält ein spannendes soziales Geflecht.
Ziegenleder – wird unterteilt in → Saffian, das ist feingenarbtes Leder; → Maroquin, das typische Leder französischer Einbände des achtzehnten Jahrhunderts, unregelmäßig genarbt, doch sehr natürlich und lebendig, meist rot; → Oasenziege, dessen neue Entsprechung, regelmäßiger genarbt, doch von exquisiter Eleganz.
Zitieren – von Bibliographien. Es gibt zwei Methoden sinnvollem Handhabens bibliographischer Angaben: Seitenzahl oder Nummer, eventuell gegliedert nach selbständigen Veröffentlichungen, solchen in Zeitschriften etc, welches durch vorangestellte Buchstaben unterschieden werden kann. (Bisweilen Seitenzahl und Nummer, wenn die Numerierung nicht durchgehend ist, wie z.B. bei Renouard, Alde oder Estienne, in diesem Fall wird die Bibliographie nach Seite, Nummer angeführt.) Sinnvoll ist die Einteilung nach Schaffensjahren des Autors, wobei selbstverständlich das Erscheinungsdatum der Erstausgabe maßgeblich ist, spätere mögen unter dieser aufgeführt werden.
Der Rest sind Verwirrspiele wie z.B. Goedeke, der zwar sein Werk in zahlreiche Bände gliedert, die jedoch nicht den in den Spaltenüberschriften angeführten „Büchern“, die wiederum in Paragraphen unterteilt sind, entsprechen.
Zustandsbeschreibung – folgt bei mir eingerückt dem Kommentar, führt Provenienzen, die Mängel des Exemplars und evtl. seine Vorzüge auf.
“Ah they’re soiled now, they’re torn at the edges”, Leonard Cohen: “Humbled in Love”.
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