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Bahrdt, Carl Friedrich
: Geschichte und Tagebuch meines Gefängnisses nebst geheimen Urkunden und Aufschlüssen über Deutsche Union.
„Frankfurt am Mayn, 1790. bei Varrentrapp und Wenner.“ Octavo. 170 x 101 mm. [1], [1 weiße], 142, 192 Seiten. Mit gestochener figürlicher Titelvignette von Daniel Chodowieki. Schlichter handgefertigter Pappband der Zeit, bezogen mit hellbraunem Kleisterpapier.
Nr. · no. 5372 —
Preis · price · pretium 160,– €
Bahrdt (1741-1792), Professor in Leipzig, Erfurt und Gießen, wurde 1776 General-Superintendent in Dürkheim, 1777 Freimaurer, 1778 wegen Ketzerei abgesetzt, dann 1779 Dozent in Halle. Nach dem Tode Friedrich II. wurde er zur Aufgabe seiner Vorlesungen gezwungen. Er endete als Gastwirt in Nietleben bei Halle, wo er eine Winkelloge unterhielt und die freimaurerische ‚Deutsche Union’ begründete, die Jesus als Stifter einer geheimen Ordensgesellschaft begriff (vgl. Lennhoff/Posner 348). Nach dem Wormser Eröffnungstreffen 1788 wurden die Statuten der Loge von J.D. Bode verraten; Bahrdt wurde wegen einer Satire auf das preußische Religionsedikt verhaftet und in Magdeburg eingekerkert. Bahrdt entwickelte sich vom Orthodoxen zu immer größerem Radikalismus und wurde endlich radikaler Parteigänger der französischen Revolution; die Französische Republik ernannte ihn nach seinem Tode 1792 zum Ehrenbürger. Seine theologischen Ansichten ließen vom Christentum nichts als nackten Deismus übrig. ¶ Der erste Teil des vorliegenden Werkes schildert die Vorgänge, die zu seiner Inhaftierung führten, seinen Gefängnisaufenthalt und die Verhöre. Der zweite Teil, Anhang benannt, umfaßt die Verteidigungschrift Bahrdts und den „Geheimen Plan der deutschen Union zur gemeinsamen Berathung für Diöcesane und Vorsteher“ (Ss. 55 ff.), die umfangreichste Quelle zu dieser freimaurerischen Loge. „Die Haupzwecke der Union sind: a) Vervollkommnung der Wissenschaften, der Künste des Kommerzes &c. insonderheit der Volksreligion. b) Die Verbesserung der Erziehung und Unterstützung guter Erziehungsanstalten. (...)“ Ausführlich werden die verschiedenen Ränge der Mitglieder, deren Aufgaben, die Versammlungstätten, die Rituale und in „Beylage III“ (Ss. 175 ff.) die geheimen Operationspläne behandelt. ¶ Diese Frankfurter Ausgabe ist kein Nachdruck, wie von Jacob/Majewski und Goedeke behauptet, sondern - ausgenommen die beiden untersten Zeilen des Titelblattes mit der anderen Orts- und Verlagsangabe - satzidentisch mit der bei Friedrich Vieweg dem Älteren zu Berlin erschienenen, selbst die Ausbrüche, wie z.B. bei der Lagensignatur A auf dem ersten Blatt des zweiten Teiles sind identisch. Merkwürdigerweise ist sie seltener als die Berliner Variante. – Erhaltungszustand:
Einband an Rücken und Kanten berieben, Ecken bestoßen. Titelblatt und erste Blätter leicht fleckig, sonst innen von wenigen Fleckchen abgesehen wohlerhalten. Auf dem vorderen fliegenden Vorsatz ein zeitgenössicher handschriftlicher Eintrag. Contemporary boards, rubbed. Slightly stained, else good. Only the publisher’s imprint on the title differs from the Berlin edition. Erste Ausgabe, Variante. Jacob/Majewski 409 Anm. - Goedeke3 IV,i,829,94 beta. Cf. Wolfstieg 13850 - Engelmann 626 - Brieger 133.
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