Antiquariat Rainer Friedrich Meyer
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Erasmus, Desiderius : Colloqvia. Gespräche deß Hochgelerten vnd weytberümpten Erasmi von Roterodam, erstlich in Latein beschriben, nachmals dem gemeinê Mann, so deß Lateins vnerfaren, zu gut verteutscht durch Justum Alberti von Volckmarsen, Lieblich zu läsen, auch nützlich zu wissen. Vnd yetzt mit sonderm fleyß übersehen vnnd gebessert.
Zu Franckfurt am Mayn, M. D. LXI. [In fine:] Gedruckt zu Franckfurt am Mayn, durch Weygand Han vnnd Georg Raben. Octavo. 150 x 96 mm. 181, [1] Blätter. - Lagensignaturen: A-Z8 (-foll. Z7&8, beide weiß). Titel in rot und schwarz gedruckt.
Handgefertigter blindgeprägter Schweinsledereinband der Zeit auf drei Doppelbünden und dünnen Holzdeckeln, auf den Deckeln eine Puttenrolle mit vier Putten, davon zwei mit Säule bzw. Füllhorn, in dessen oberer Öffnung sich ein kursives, unverziertes 'H' befindet, 157 x 12 mm, Haebler I,159,5 (= II,48,2). Diese Rolle verweist den Einband möglicherweise nach Nürnberg. Handgestochene blau/weiße Kapitale.
Übersetzungen der „Colloquia“ ins Deutsche wurden relativ spät angefertigt - eine englische schon 1536: erst 1545 gab Justus Albert von Volckmarsen, ein Pfarrer von Gladenbach in Schwaben die erste deutsche Übertragung von 15 Dialogen heraus; sie ist Valentin Bruel, dem Kanzler und Rat des Landgrafen von Hessen gewidmet. Vorreden führen in den Sinn des jeweils folgenden Gespräches ein, kleiner gedruckte Absätze erläutern die Personen, Randbemerkungen helfen dem Verständnis des Lesers und interpretieren den Text. Auch weist der Übersetzer auf redende Namen hin und erläutert sie, soweit sie aus dem Griechischen rühren: z.B. wird Eulalia als die ’Wohlredende’ vorgestellt; Sophronius als jemand, der enthaltsam lebt.
¶ In seiner Vorrede gibt Volckmarsen Auskunft über die Intentionen: so sieht er in den Erasmischen Gesprächen nicht allein ein Hilfsmittel, die lateinische Sprache zu beherrschen, sondern ihren Vorzug darin, einen Weg zur wahren Tugend und zum christlichen Glauben zu öffnen, und schlechte Vorbilder aufzuzeigen: „Vnd nicht allein das, sonden auch von allerley irrthumb , verfürungen, aberglauben vn(d) mißbreuchê, damit die Welt etliche hundert jar her, (...) verfürt ist worden.“ - Provenienz: Besitzeinträge auf dem Titel: „Coll: Soc. Jesv Herbipoli. 1634.“ und: „Joh: Leonh: Beilzius (?)“.
Einband leicht fleckig, minimal berieben, eine Ecke etwas bestoßen, fliegende Vorsatzblätter und die letzten beiden weißen Blätter v.a.H. entfernt. Innen wenige Blätter marginal etwas fleckig, sonst meist recht frisch; insgesamt schönes Exemplar des seltenen Werkes.
Contemporary blindstamped pigskin over thin wooden boards, three raised bands. Few marginal stains, a fine copy in its first binding.
¶ “An equally lively picture of the author and his time comes from the even more popular ’Colloquia’, or ’Conversations’. Originally written in his early days at Paris as dialogues illustrating the art of polite conversation, they were afterwards expanded into conversation pieces in which all the topics of the day are discussed with a freedom which ensured their popularity. Later in the century and up to the eighteenth century they were a set book in schools, and there are lines in Shakespeare which directly recall Erasmus’ words“ (PMM, Latin edition Froben, 1524).
VD16 E2432 (gleiche Kollation, ebenfalls ohne die w.Bll. am Schluß) - Vander Haeghen I,38 - Catalogue Rotterdam 61 - Goedeke II,264 - vgl. PMM 53. - Nicht bei Bezzel, BM STC, Adams, Knaake, Hohenemser, Jackson & Kuczynski.
→ Nº 3401
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Alber, Erasmus (Herausgeber) : Alcoranvs Franciscanorvm latinogallicvs. Id est, Epitome præcipuas fabulas & blasphemias complectens, eorum qui B. Franciscum ipsi Christo æquare ausi sunt, ídque cum salubri Antidoto: excerpta ex amplo Côformitatum libro quondam compilato per fratrem Bartholomæum de Pisis, ordinis fratrum Minorum. Iam primùm expressa est effigies arboris varias Francisci cum Christo collationes exhibens.
Genf: Apud Guilielmum Laimarium, 1578. Octavo. 138 x 85 mm. [8], 343, [1] Seiten. - Seiten (13)-382, [2 weiße] Seiten [so komplett!]. - Lagensignaturen: §4, a-x8, y4 - A2, A-Z8, Aa8. Mit Holzschnittvignette auf dem Titel, kleinen Holzschnittinitialen und -vignetten sowie zwei mehrfach gefalteten Holzschnittafeln vor Seite 1.
Pappeinband des 18. Jahrhunderts bezogen mit ockerfarbenem Papier, goldgeprägter Rückentitel auf rotem Schildchen.
Erste lateinisch-französische Ausgabe der berühmten Schmähschrift gegen die übermäßige Verherrlichung des Francesco di Assisi, wie sie im 1389 verfaßten ’Liber conformitatum’ des Franziskaners Bartholomaeus de Pisa (gest. 1401) zum Ausdruck kam. Alber benutzt dazu das Mittel, Zitate aus dem Ursprungswerk so auszuwählen und aneinanderzureihen, daß die Absurdität des Textes offensichtlich wird. Diese und interne Kritik am ’Liber conformitatum’ führten dazu, daß nur die beiden ersten Ausgaben textidentisch sind, jene von 1590 und 1620 dagegen um die anstößigsten Passagen gereinigt. Die beiden Holzschnitte geben in französischer und lateinischer Sprache die ’Konformitäten’ zwischen dem hl. Franz und Christus wieder, mittig den Heiligen, wie er den an einem Baume gekreuzigten Christus anbetet.
¶ Der evangelische Theologe und Schriftsteller Erasmus Alber (um 1500-1553), Schüler von Andreas Karlstadt und Martin Luther und ein eifriger Vorkämpfer der reformierten Lehre, studierte ab 1520 zu Wittenberg Theologie. Er wurde danach Lehrer in Oberursel/Taunus, reformierte die Region Dreieich, wurde 1537 nach Küstrin berufen, und 1538 zum Hofprediger des Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg ernannt. 1541 wurde er Superintendent in Brandenburg, 1542 vom Kurfürsten Joachim II. wegen seines Freimutes abgesetzt, 1543 in Wittenberg promoviert. Als Gegner des Interims lebte er in den Jahren von 1548 bis 1551 in Magdeburg. Zuletzt war er Superintendent in Neubrandenburg. Alber verfaßte u.a. Fabeln und Kirchenlieder.
Einband teils fleckig, Ecken bestoßen; innen nur minimal gebräunt. Von großer Seltenheit.
First edition, rare. 18th-century boards. „Compiled by Erasmus Alber from the Liber Conformitatem S. Francisci of Bartholomaeus de Pisa“ (Adams). Latin text with French translation.
Adams A431 - Knaake I,990 & III,31 (lat. Ausg. von 1651!) - Graesse I,64 (Ausg. 1734 u.a.!)
→ Nº 4797
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